Mittwoch, 23.10.2019 22:44 Uhr

Robo-Advisor als Anlageberater?

Verantwortlicher Autor: Michael Fuchs Berlin, 02.09.2019, 21:42 Uhr
Nachricht/Bericht: +++ Wirtschaft und Finanzen +++ Bericht 5319x gelesen

Berlin [ENA] Vertrauen Sie Ihrem Anlageberater? Sind Sie sicher, dass er Ihr Vermögen so verwaltet, wie es Ihrem Risikoprofil am besten entspricht, frei von Provisionsinteressen? Herzlichen Glückwunsch – wenn Ihr Vertrauen gerechtfertigt ist, haben Sie einen wichtigen Grundpfeiler für eine Geldanlage, die Chancen und Risiken in Einklang bringt und für eine Rendite, die nicht unangemessen durch Kosten geschmälert wird.

Robo-Advisor drängen in Aufgabengebiete, die bislang Experten aus Fleisch und Blut vorbehalten waren. Sie empfehlen auf Basis einer Analyse, die Ihrem eigenen Risikoempfinden folgt, eine bestimmte Zusammensetzung Ihrer Geldanlage, zum Beispiel nach Aktienfonds, Staatsanleihen, Rohstoffen, Immobilien und Festgeldern. Es gibt aktive Robo-Advisor, die den Markt fortlaufend analysieren und Umschichtungen anhand von Frühindikatoren vornehmen, und passive Robo-Advisor, die nur selten in Ihre Anlagen eingreifen. Ihr Ziel ist es, eine ursprünglich gewählte Verteilung, die sich durch Wertveränderungen verschoben hat, wiederherzustellen. Weder aktive noch passive Robo-Advisor können Verluste sicher verhindern.

Aktiver Ansaz auf Basis eines Value at Risk

Der aktive Ansatz folgt aber häufig der Methode Value at Risk (VaR). Dabei nennen Sie einen Prozentsatz, den Sie als jährlichen Wertverlust akzeptieren, zum Beispiel 20 %. Die Anlagestrategie wird so ausgelegt, dass Sie mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit, zum Beispiel 95 %, diesen Verlust nicht überschreiten werden. Anders ausgedrückt: Wahrscheinlich werden Sie einmal in zwanzig Jahren (die restlichen 5 %) einen Verlust erleiden, der größer ist als 20 %. Klingt erschreckend, zumal über Gewinne und Verluste in den anderen 19 Jahren nichts gesagt wird. Aber es ist ein ehrlicher Ansatz – nur mit einer risikobehafteten Geldanlage lässt sich die Rendite erzielen, die Sie vermutlich anpeilen.

Versprechungen dazu macht Ihnen der Roboter aber nicht. "Es ist eine Frage des Algorithmus", sagt Paul Lehrer. Zwei Argumente sprechen auf den ersten Blick für den Roboter. Erstens die Kosten: Der Roboter ist genügsam. Anlageberater bei der Bank wollen bezahlt werden – selbst, wenn ihre Empfehlungen nicht durch Vorgaben der Geschäftsleitung und daran ausgerichteten Provisionszahlungen beeinflusst sind, bleibt ein erkleckliches Festgehalt. Allerdings steht hinter dem Robo-Advisor ein Team von Finanzexperten und Programmierern, die auch leben wollen.

Robo-Advisor wählen zwar kostengünstige Anlageformen wie ETF, aber eine zusätzliche Gebühr von bis zu einem Prozent Ihrer Investition macht ihren Einsatz auf jeden Fall teurer als die Direktanlage in die jeweiligen Anlageklassen. Dennoch kann sich der Robo-Advisor lohnen, weil zumindest die aktive Variante sich viel mehr um Ihr Geld kümmert, als Sie selbst es tun würden. Außerdem basieren seine Entscheidungen auf einer Vielzahl von Daten, sodass Chancen genutzt und Risiken gemieden werden können. Das führt uns zum zweiten Argument: Irren ist menschlich. Eine Investition, die sich im Prospekt als rentabel und ausreichend abgesichert darstellt, kann floppen, weil dem Konzept eine falsche Markteinschätzung zugrunde liegt.

Der Robo-Advisor ist schlauer, weil er mit vielen Informationen gefüttert wird. Er ist aber nur so gut wie der Algorithmus, nach dem er arbeitet – und den haben wiederum Menschen entwickelt. Außerdem nimmt Ihnen niemand, auch nicht der Roboter, die Entscheidung ab, welches Risiko Sie bei der Geldanlage eingehen möchten.

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